Nach der pinken Stadt lockt die Ruhe der Wüste, mit ihren kühlen Nächten und großen Kamelen.
Obwohl Jaisalmer bekannt für Wüstensafaris ist, entscheiden wir uns dafür nach Bikaner zu fahren: Hier beginnt die Wüste und wir hoffen auf wenig Touristen und Kommerz. Und tatsächlich tritt genau das ein - wir sind alleine im Camp, niemand möchte uns einen Teppich oder Schal verkaufen und wir genießen diese kleine Auszeit sehr.
Ab in die Wüste
Sieben Stunden Fahrt sind es, ehe wir von Fort Amber endlich am Camp Rajputana in der Nähe von Bikaner ankommen.
Im Dunkeln erreichen wir schließlich eine kleine Nebenstraße und hier beginnt das Abenteuer. Erst telefoniert under Fahrer Prakash intensiv mit unserem Gastgeber. Er fährt dann noch ein Stückchen weiter, bis ein Mann auf dem Motorrad auf uns wartet. Dem fahren wir dann hinterher über sandige Pisten. In einem Dorf verabschiedet er sich dann und wir juckeln alleine weiter. Ein paar Gatter müssen geöffnet und geschlossen werden, dann erreichen wir das Camp.
Am Eingang des Wüsten-Camps wartet ein Jeep auf uns, in den wir unser Gepäck umladen, es wird direkt in unsere Zelte gefahren. Wir laufen einen beleuchteten Sandweg entlang und folgen den Klängen von sanfter Harmoniummusik und Gesang.
Wir beziehen unsere Zelte und bekommen dann ein wundervolles Abendessen auf einer Terrasse serviert, während zwei Spielleute musizieren. Müde sinken wir anschließend in unseren Luxuszelten ins Bett. Mit der Dunkelheit kommt auch die Kühle der Nacht und wir kuscheln uns gemütlich in die dicken Decken.
Der nächste Tag beginnt nicht mit Kaffee, sondern mit einem Ritt auf einem Kamel. Vier Kamele erwarten uns. Sie wirken ein bisschen arrogant, tragen ihre Nase hoch in die Luft gereckt und blicken durch ihre langen Wimpern auf uns herab.
Um 6:30 Uhr schwingen wir uns auf ihre Rücken und reiten eine Stunde durch die Wüste. Besonders das Aufstehen ist eine schaukelige Angelegenheit. Im Gegensatz zum Pferd steht das Kamel erst mit den Hinterbeinen auf und man wird nach vorne geschleudert. Erst danach streckt es auch seine Vorderbeine und man kommt zurück in eine aufrechte Position.
Der Ritt durch die Halbwüste ist recht bequem, ein Kamel hinter dem nächsten schaukelt mit uns durch die Landschaft. Hier wird uns auch die Höhe der Kamele bewusst. Über zwei Meter sind sie hoch und von hier haben wir einen ausgezeichneten Blick und sehen nicht nur viele Vögel und ein Reh, sondern auch Wüstenfüchse.
Safari mit dem Jeep
Nach der Kameltour erwartet uns Frühstück auf der Terrasse, anschließend beginnt die Jeepsafari. Wir fahren zuerst in ein kleines Dorf und lernen die Bauweise der Häuser kennen. Von den Dorfbewohnern werden wir freundlich empfangen, überall wird gewunken und gerufen. Wir grüßen fröhlich zurück und fühlen uns sehr willkommen.
Die Menschen im Dorf arbeiten größtenteils als Farmer und bauen unter anderem Erdnüsse und Baumwolle an. Landwirtschaft in der Wüste hat uns dann doch etwas überrascht, aber vor einigen Jahren hat die Regierung hier in Bewässerung investiert. Damit wird der Boden fruchtbarer und der Sand fliegt nicht so sehr bei den Sandstürmen im Sommer.
Nach dem Besuch im Dorf geht es in die Wüste, wobei in Bikaner noch eher eine Halbwüste ist. Die Sanddünen sind immer wieder mit kargen Gräsern und Sträuchern bewachsen und unter den sengenden Strahlen der Sonne steigen wir auf die Dünen und erspähen Blue Bulls, eine Art Reh.
Mittag essen wir im Dorf, eine Familie kocht hervorragend für uns. Wir ruhen uns in ihrem Garten aus, bevor wir weiter in ein Camel Research Center fahren, das Größte Asiens. Dort gönnen wir uns ein Kulfi aus Kamelmilch. Kulfi ist indisches Eis aus Milch (in diesem Fall Kamelmilch), gewürzt mit Kardamom, Kurkuma, Nüssen und anderen Gewürzen. Ich liebe Kulfi und esse es bei jeder Gelegenheit.
Zum Sonnenuntergang fahren wir zum Birdwatching an eine morbide Stätte. Die toten Tiere - hauptsächlich Kamele und Rinder - rund um die Stadt Bikaner werden hier abgeladen und quasi biokompostiert: Menschen häuten die Tiere zur Lederherstellung, Tiere fressen das Fleisch.
Denn rund um den Ablageort haben sich zahlreiche Hunde und Aasvögel angesiedelt, die die toten Körper schnell verwerten. Wir hatten erwartet, dass es bestialisch stinkt, aber das war gar nicht der Fall. Und so konnten wir in dieser morbiden Umgebung nicht nur den Sonnenuntergang bewundern, sondern auch viele verschiedene Vögel, darunter Adler und Geier.
Auf dem folgenden Foto sieht man nicht nur Vögel und Knochen, sondern auch jede Menge Plastik. Dieser Ort wird aber nicht zur Müllentsorgung genutzt. Das Plastik stammt aus den Mägen der Rinder. Im Lauf des Lebens fressen sie sich durch die Müllkippen, nach ihrem Tod bleibt nur das Plastik über.
Anschließend fahren wir zurück ins Camp. Heute gibt es nicht nur Musik sondern auch Tanz. Eine Tänzerin im wunderschönen Kostüm zeigt traditionelle Tänze. Zweimal werde ich aufgefordert mitzutanzen, das lasse ich mir natürlich nicht nehmen. Sie zeigt mir die Schritte und wir tanzen zusammen zu den Klängen des Harmoniums.
Hat dir unsere zweite Station in Rajastan gefallen? Dann begleite uns doch weiterhin. Nächster Halt: Jaisalmer. Dort erkunden wir ein historisches Fort, das noch immer bewohnt wird.

















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