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Mal ohne ChiChi

Zweieinhalb Wochen sind es noch, bis wir nach Indien ziehen. Hinter uns liegen drei Monate Vorbereitung. So viele Klärungen mussten erfolgen, Visum, Aufenthalt, etc. Immer wieder poppen neue Themen auf, längst geklärt Geglaubtes wartet nur mit einer neuen Überraschung hinter der nächsten Ecke.

 

Um es kurz zu machen: Wir sind genervt.

Gerwitterwolken ziehen auf: Symbolbild für schlechte Stimmung ;-)
Gerwitterwolken ziehen auf: Symbolbild für schlechte Stimmung ;-)

Papier ist geduldig, wir weniger

Ein neues Auto aus einem Leasingvertrag – der aufgrund der schlechten Liefersituation bereits im März 2022 geschlossen wurde – muss wieder freigegeben werden, also kündigen wir den Vertrag. Das gestaltet sich kostenintensiver als erwartet. Unser altes Auto mussten wir noch vor Beendigung des Leasingvertrages zurückgeben – ein Minusgeschäft trotz hoher Gebrauchtwagenpreise. 

 

Langsam werden auch die Kilometer knapp, die noch gefahren werden dürfen – wir müssen umdenken, umplanen und häufig die Hilfe meines Vaters in Anspruch nehmen, der uns beinahe zu jeder Tages- und Nachtzeit irgendwo hinfährt.

 

Mobilfunkverträge müssen aufgelöst werden, Versicherungen stillgelegt oder gekündigt. Was auf den ersten Blick nach einer Kleinigkeit aussieht, zieht sich wie Kaugummi. Immer wieder fehlen Informationen, es geht einfach nicht voran, wir bekommen kaum etwas abgeschlossen und wenn dann nur, um gleich ein neues Thema auf die To-Do List zu setzen.

Von Katzen und Ärzten

Mental belastend ist vor allem die Frage, was mit unserer Katze passiert? Vor ein paar Jahren ist sie uns zugelaufen – sie war ge-chipt, aber ein „Besitzer“ war nicht eingetragen. Der Streuner ist schon immer viel in der Nachbarschaft unterwegs – einfach aus der Umgebung herausnehmen und an jemand anderen geben wollen wir nicht. Befürchten wir doch, dass er weglaufen wird. Mitnehmen können wir ihn selbstverständlich auch nicht. Die meisten Nachbarn haben Hunde. Was tun wir also mit unserem Tiger, wenn wir nicht mehr da sind, ihn mitten im Winter verlassen?

Dass unsere Katze nicht mit nach Indien kann, bricht uns das Herz
Dass unsere Katze nicht mit nach Indien kann, bricht uns das Herz

Daneben versuchen wir soweit es geht alle Arztbesuche der nächsten zwei Jahre zu absolvieren. Hier nochmal zum Zahnarzt, dort zum Hautarzt, der Hausarzt muss auch noch überredet werden, die Dauermedikation für die nächsten Jahre jetzt schon aufs Rezept zu schreiben. Impfungen stehen auch an – ich bekomme gleich vier auf einmal, was ganz schön schlaucht, Martin darf dafür viel Zeit bei gleich mehreren Ärzten verbringen – der Impfstoff für japanische Enzyphalitis ist rar und gegen Corona werden wir auch nicht einfach so nochmal geboostert – da kann der Hausarzt allein nicht helfen.

Work-Life-Balance?

Währenddessen läuft im Job natürlich alles einfach weiter – 100% Leistung ist gefordert.

 

Der Haushalt möchte auch geschmissen werden, dazu kommen Arbeiten, die noch am Haus oder im Garten gemacht werden, Kleidung aussortieren und Großputz wollten wir eigentlich auch noch machen. Vom Packen ganz zu Schweigen – bislang haben wir ein paar Bücher gestapelt, die wir gerne mitnehmen möchten. Die Waschmaschine hat aufgegeben, der Kundendienst keine Zeit und so trage ich, Woche für Woche meine Wäsche zu meiner Mutter. Ohne ihre Hilfe wären wir wohl seit Wochen entweder nackt oder in schmutziger Kleidung unterwegs.

 

Die Wochenenden werden soweit wie möglich mit Freunden und Familie verbracht – all den Lieben, die wir so lange nicht mehr nah um uns haben werden. Das Gefühl Abschied zu nehmen schwebt ständig über uns. Dazu kommt die Frage, ob wir bzw. ich wirklich willkommen bin. Meine Kollegen im Team freuen sich, aber andere muss ich wohl erst noch überzeugen.


Ja, wir schaffen das

Nein, gerade macht es keinen Spaß. Gerade ist es einfach nur anstrengend – ganz ohne ChiChi und schöne Worte. Die Zeit fliegt, die Aufgaben werden nicht weniger. Manchmal erdrückt es uns fast. Egal was wir anfangen, es lässt sich selten in einem Rutsch erledigen und die Zeit rennt. Was im August noch ewig hin schien – genug Zeit um alles zu erledigen – ist jetzt nur noch eine Adventskerze und eine Silvesterrakete weit entfernt.

 

Natürlich werden wir es am Ende schaffen, das wissen wir schon. Wir werden nicht alles erledigen, was jetzt noch auf der Liste steht, weiter priorisieren und hier und dort eine gute Portion Pragmatismus walten lassen - aber am Ende wird alles irgendwie klappen.

 

Wir haben dafür die beste Unterstützung von unseren Lieben und wir haben uns. Wir werden weiterhin auf uns achten, Sorgen teilen und uns in den Arm nehmen. Und auch wenn es manchmal richtig nervt oder besonders düster wirkt, es überwiegt auch weiterhin die Vorfreude und Neugier auf die neue Erfahrung. Wären wir nur endlich dort.

Wären wir doch endlich in Indien
Wären wir doch endlich in Indien

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Kommentare: 1
  • #1

    Heike und Reiner (Samstag, 17 Dezember 2022 13:44)

    Liebe Steffi, lieber Martin,
    Für euren Endspurt in Deutschland wünschen wir euch noch viel Erfolg beim weiteren Abarbeiten eurer to-do-list. Ihr schafft das alles, habt Mut zu Lücken und bleibt immer so positiv wie bisher. Es wird ein grandioses Abenteuer werden, an dem wir gerne via Blog teilnehmen.
    P.S.: Bei eurer Rückkehr nach Deutschland wird euch garantiert eine voll funktionsfähige Waschmaschine empfangen.